Carcamping – alles was du wissen musst

Gut und günstig reisen und dabei noch so richtig viel sehen? Geht nicht? Stimmt. Aber fährt!

Am Trekking lieben wir, dass wir so nah an der Natur sind, am Carcamping die gleiche Einfachheit aber als Plus den hohen Sightseeingfaktor.

Entstanden ist unsere Freude am Carcamping durch eine dumme Schnapsidee 2012. Nach unserer Trekkingtour auf dem Bohusleden hatten wir ja festgestellt: das mit dem Urlauben klappt gut zusammen.

Nun hatten wir beide noch zwei Wochen Resturlaub, wenig Zeit zum Planen und ganz viel Lust auf ein verrücktes Abenteuer.

„Wir machen Frankreich für lau!“ platze es aus Andy heraus. „Geil!“ Miri war dabei. Unser Ziel: Keine Kosten vor Ort außer Benzin für die Fortbewegung.

Gesagt getan: wir besorgten einen Reiseführer und starteten einen Großeinkauf für die Tour- schließlich sollten Lebensmittel in Frankreich ja so extrem teuer sein (waren sie gar nicht, haben wir vor Ort festgestellt- aber ein Spaß war´s trotzdem: der Versuch zwei Wochen komplett autark zu urlauben). Letztendlich haben wir dann doch ein paar Euros investiert. Für Maut (über die Mautstraßen ging es einfach ab und zu schneller), Eintrittsgelder, zwei lange Duschen auf einem Campingplatz in Pilat, eine neue Packung Klopapier 😉 und den Tagesparkplatz in Paris (ja: wir haben es getan: wir waren mit dem Auto in der Pariser Innenstadt- OMG!).

Mittlerweile waren wir mit Auto, Zelt und Skar nicht nur in Frankreich (2012), sondern auch ein Wochenende auf Fehmarn (2012), ein Wochenende in Dänemark (2013), in Norwegen bis hoch zum Nordkap (2013) und in Großbritannien (2013). Und wir lieeeeben diese Art zu Reisen!!!

Du willst auch mal? Dann kommen hier unsere Tipps mit allem, was du wissen musst:

Vorbereitung

Wenn du magst, google vorab im Internet und besorge dir einen Reiseführer. Wir persönlich finden einen guten Reiseführer unerlässlich, stellen uns vorher immer grob eine Route zusammen und fahren dann los. Der Beifahrer ist für die Spontanabstecher zuständig. Er guckt parallel im Führer, was es hier in der Ecke gerade Interessantes zu sehen gibt und wir entscheiden dann spontan, ob wir einen Schlenker dorthin fahren.

Essen und Trinken

In Ländern, in denen wir vorher schon wissen, dass das Preisniveau sehr hoch ist (wie zum Beispiel Norwegen- 7 EUR für ein Toastbrot sagen wir nur…), decken wir uns daheim mit ausreichend Lebensmitteln ein. Hierfür haben wir zwei große transparente Boxen mit Deckel, die wir während der Fahrt mit Ratschen an den Kindersitzhalterungen der Rückbank fixieren, damit sie uns im Falle eines Unfalls nicht in den Rücken fliegen. Darin werden empfindliche Lebensmittel nicht gequetscht und wir sehen schon von außen, was in welcher Box drin ist.

Außerdem findest du in der Regel vor Ort auch immer etwas Essbares in freier Wildbahn. So haben wir in Frankreich am Strand Miesmuscheln gesammelt, in Schweden und Großbritannien Pilze gesucht, morgens schmeckt der Pfannkuchen mit Beeren vom Strauch umso besser und der ein oder andere Fisch hat auch immer mal zum Essen vorbeigeschaut.

Miesmuscheln kann man durchaus selbst suchen

Miesmuscheln kann man durchaus selbst suchen

...oder leckeren frischen Fisch fangen.

…oder leckeren frischen Fisch fangen.

Zum Kochen haben wir unseren Primus Gaskocher dabei. Er lässt sich einfach von der Kartusche abdrehen und winzig klein zusammenklappen, ist also auch zum Trekken perfekt. Passendes Trekkinggeschirr, das sich ineinander verschachtelt transportieren lässt, gibt´s im Handel.

Unterwegs kochen? Kein Problem!

Unterwegs kochen? Kein Problem!

...mal improvisiert...

…mal improvisiert…

...mal nahezu luxuriös.

…mal nahezu luxuriös.

Geld und Währung

Da gibts es für uns in der Regel nichts vorzubereiten. Wie schon das ein oder andere Mal hier erwähnt, haben wir immer unsere normalen EC-Karten und unsere Premium- Kreditkarte dabei. In Europäischen Ländern ist damit die spontane und kostenlose Bargeldbeschaffung kein Problem und wichtige Versicherungen sind noch dazu mit drin.

Unterkunft und Schlafen

Our Car is our Castle… beim Carcamping lebst du quasi tagsüber in deinem Auto. Nachts ziehst du ins Zelt um. Wenn du ohne vierbeinigen Kumpel reist und einen Kombi hast, kannst du bestimmt auch mal gut im Kofferraum nächtigen. Freunde von uns haben sich zum Beispiel einen Transporter umgebaut, so dass sie immer eine große Matratze im Wagen liegen haben und in einer Holzkonstruktion darunter ihre Sachen verstauen können…. finde deinen Weg!

Wenn du mit Zelt reist solltest du natürlich wissen: Wildcampen ist in den meisten Ländern verboten. Wir tun´s trotzdem. Campingplätze sind nicht so recht etwas für uns. Wir lieben es, möglichst alleine in der Natur zu sein. Wenn du auch nicht auf offizielle Campingplätze zurückgreifen möchtest, beachte bitte folgendes:

*bau dein Zelt da auf, wo du niemanden störst

*bau es erst abends auf

*bau es morgens direkt wieder ab

*sammle deinen Müll in einem Beutel und nimm ihn bei Abreise mit (ja, auch deine Kosmetiktücher- Wanderer und Umwelt werden es dir danken)

*verhalte dich ruhig, mach deinen Platz nicht zur Partymeile

*verlasse den Platz so wie du ihn vorgefunden hast

Wir sind bislang noch nirgendwo angeeckt oder wurden vertrieben. Im Gegenteil: ein paar Male sind wir schon mit netten Leuten in Kontakt gekommen. So in Wales, wo wir auf einem Besucherplatz in Caerwent eigentlich erst mal nur gemütlich was essen wollten. Ein Platzaufseher kam zu uns und meinte: „Hey, ich sehe, ihr seid gut organisiert, lasst hier nichts rumliegen und macht hinter euch wieder sauber. Reist ihr mit Zelt? Wenn ihr mögt könnt ihr das da hinten aufstellen, ich schließe jetzt den Parkplatz ab.“

In Caerwent durften wir auf dem Besucherparkplatz zelten

In Caerwent durften wir auf dem Besucherparkplatz zelten

Auf diese Weise haben wir schon an vielen richtig sensationellen Orten geschlafen

Durness, Nordschottland

Durness, Nordschottland

Betty Hill, Nordschottland

Betty Hill, Nordschottland

Lofoten, Nordnorwegen

Lofoten, Nordnorwegen

Fehmarn

Fehmarn

Dune du Pilat, Südfrankreich

Dune du Pilat, Südfrankreich

Und auch auf vielleicht eher unkonventionellen Plätzen 😉

Schottland

Schottland

Schweden, Vorgartenidylle (mit Inhabergenehmigung natürlich)

 

Skar passt übrigens prima mit ins Zelt und hält uns kuschelig warm.

Drei Bilderbummler im Löffelchen :-)

Drei Bilderbummler im Löffelchen 🙂

Körperhygiene

ist ein nicht zu unterschätzender Punkt beim Carcamping, wenn du wildzeltest. Auf der Isle of Sky hatten wir in einem Supermarkt mal drei deutsche Jugendliche vor uns, die konnten wir noch fünf Gänge weiter erschnüffeln. Wenn dich das nicht stört, kannst du das so machen- wir finden aber: musst du nicht.

Körperhygiene ist uns auf unseren Touren sehr wichtig. Jeden Tag waschen wir uns gründlich und mindestens jeden zweiten Tag muss geduscht oder gebadet werden. Hier helfen Feuchttücher für zwischendurch und eine Reisedusche. Früher haben wir uns einfach mit Leitungswasser aus normalen Wasserflaschen geduscht. Geht auch. Je nachdem wo du bist, kannst du dich auch auf einem Rastplatz oder einem öffentlichen WC klasse waschen. In Frankreich auf den Mautstraßen gibt es z.B. tolle und saubere öffentliche Räume. In Skandinavien gibt es auf Rastplätzen oft beheizte WCs mit eigenem Waschbecken. Auch hier geht das Waschen problemlos und noch dazu bei kuscheligen Temperaturen. Ansonsten hilft das ein oder andere Mal ein beherzter Sprung in den Fluss oder See. Du wirst dich großartig danach fühlen!

Waschen? Irgendwas geht immer.

Waschen? Irgendwas geht immer.

 

Was brauchst du noch?

Das richtige Equipment

Boxen und Taschen für Gepäck und Lebensmittel

Die Lebensmittel haben wir wie schon gesagt in Klarsichtboxen verstaut. Alles andere haben wir in z.T. wasserdichten farbig unterschiedlichen Taschen. So sehen wir schnell, welche Tasche wir gerade benötigen und zudem sind unsere Sachen geschützt, wenn wir sie mal auf nassem Grund abstellen.

Stirnlampe

Du wirst oft im Dunkeln dein Zelt aufbauen, oder zumindest im Dunkeln kochen. Und wenn auch das nicht, dann wirst du dennoch nicht ausschließen können, dass du nachts mal kurz im Busch verschwinden möchtest. Dass du irgendwie Licht für unterwegs brauchst, versteht sich da von selbst. Eine Stirnlampe hält dir beide Hände frei- das wird das ein oder andere Mal nützlich sein.

Ein guter Gaskocher und Trekkinggeschirr

Am idealsten ist ein Aufsatz für eine Gaskartusche. Flexibel und platzsparend. Ein Grillrost haben wir auch immer dabei. Drei große zusammengelegte Steine als Auflage, etwas Brennholz dazwischen und fertig ist der Outdoorgrill.

Ein zusammenklappbarer Gaskocher ist immer superpraktisch

Ein zusammenklappbarer Gaskocher ist immer superpraktisch

Für Trekkingtouren gibt es ultraleichtes Besteck

Für Trekkingtouren gibt es ultraleichtes Besteck

Isomatte

Wir haben beide Matten von Therm a Rest. Wichtig bei der Wahl war uns, dass sie dick genug sind für kältere Gefilde, aber dennoch leicht genug für eine Trekkingtour. Miri hatte zunächst eine günstige Matte von Decathlon. Die war für 99% unserer Touren auch super, lediglich in Norwegen etwas zu dünn für die kalten Temperaturen.

Ob hochwertig oder erst mal günstig zum Ausprobieren, eine Iosmatte ist Pflichtprogramm

Ob hochwertig oder erst mal günstig zum Ausprobieren, eine Iosmatte ist Pflichtprogramm

Macht Campingstühle überflüssig und nimmt keinen Platz weg: Sitzgestelle für deine Isomatte

Macht Campingstühle überflüssig und nimmt keinen Platz weg: Sitzgestelle für deine Isomatte

Schlafsack

Unsere sind von Deuter und Mammut, aber auch wieder nur deshalb, weil wir auch bei kälteren Temperaturen zelten und sie sich durch die Häufigkeit der Einsätze mittlerweile gut bezahlt gemacht haben. Auch hier hatte Miri lange einen günstigen von Decathlon, der bei normalen Temperaturen immer vollkommen ausgereicht hat. Leichte Qualitätsunterschiede merkt man an Verarbeitung, Kuscheligkeit und den Reißverschlüssen.

Ein Zelt

Andy hat schon seit Urzeiten ein kleines Jack Wolfskin Trekkingzelt. Es bietet gerade genug Platz für uns drei und ist ruckzuck aufgebaut. Der Vorteil beim Carcamping ist ja, dass du alles andere im Auto lassen kannst. Im Zelt benötigst du also keinen Stauraum mehr. Gleichzeitig können wir das leichte kleine Zelt auch für Trekkingtouren verwenden. Perfekt!

Ein 5 Liter Wassertank

Spülen, Waschen, Trinken- genügend Wasser ist immer wichtig. Den Tank kannst du an Seen, Rastplätzen oder Tankstellen auffüllen.

Reisedusche

Unsere neueste Errungenschaft leistete uns 2013 in Großbritannien beste Dienste. Frostbeulen können auch etwas auf dem Gaskocher erwärmtes Wasser mit hineingeben. Wahnsinns Packmaß, also auch super zum Trekken.

Reisedusche für Unterwegs- auch für Warmduscher ;-)

Reisedusche für Unterwegs- auch für Warmduscher 😉

 Reisekissen

Kein Musthave- du kannst auch auf einer zusammengelegten Flecejacke gut schlafen. Aber ein richtiges kleines Kissen- wenn man schon mit dem Auto reist und nicht auf jedes Gepäckstück achten muss ist uns das der Komfort wert!

Schonbezüge

Schütze dein Auto. Das Rein- und Raus der Boxen und Taschen, ggf. mal eine Nacht im Auto… das alles strapaziert dein Transportmittel. Zieh Schonbezüge auf (auch wenn’s sch.. aussieht, da muss das Auto jetzt durch), lege ggf. noch ein Decke oder Plane darunter.

Dachträger und Dachbox

Unser Auto ist recht klein. Die nächste Wahl wird ein Kombi sein, aber das dauert noch ein bisschen. Daher hat uns unsere Dachbox bislang schon gute Dienste geleistet. Hier können wir hervorragend Angelausrüstung, Skars Futter, Ersatzschuhe und Wasserreserven lagern. Lass dich also nicht von der Größe deines Gefährten aufhalten. Dachträger gibt es tatsächlich für fast alle Automodelle mit vier Türen.

Sonst noch was?

Nö.

Außer: richtig viel Lust, richtig viel zu sehen!