Marie-Änn Käfer und ihre tollkühne Crew

Tag 1. „Es ist noch alles drin“

Düsseldorf.

13.00 Uhr

Die Sonne brennt.

Die Frisur sitzt.

Zadar.

15.30 Uhr

Regen.

Die Frisur sitzt.

Noch.

Erstmal schnell die Kapuze bis über die Nasenspitze ziehen. Was ein Wetter in bella Kroatia. Das hatte man sich anders vorgestellt.

Aber egal. Es war Tag 1. Ankunftstag. „Es ist noch alles drin.“ Hörte man den ein oder anderen munkeln. Und es war noch alles drin.

Erste Anzeichen ließen sich schon beim gemeinsamen Abendessen in der Marina Dalmacija in Sukosan erkennen. Die Russen kommen nicht- sie waren schon da. Bei typisch kroatischen Cevabcici, Pommes und viel Piva wurden wir Zeuge von lauten und skurilen Tanzeinlagen. Animation mal anders. Den Absacker nahmen wir auf der Svarog, ehe wir in froher Erwartung in unseren Kojen verschwanden.

Tag 2. „Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung“

Sturmwarnung. Bedeckter Himmel. Fragezeichen. Die Skipperbesprechung dauert heute länger. „Sollen wir oder sollen wir nicht?“ lautet die allesentscheidende Frage. Derweil kracht ein Boot von gegenüber beim verzweifelten Ablegeversuch beinahe in die unsrigen. Was ein Spektakel. Da doch lieber Zeuge als Beteiligter sein, mag es dem ein oder anderen durch den Kopf gegangen sein.

Miriam Brandt

Erst einmal heißt es Warten…

Um halb eins endlich die Entscheidung: Wir fahren nicht raus. Ein Trupp macht sich auf den Weg zum Bus nach Zadar. Nach 30 Minuten Fußmarsch durch die riesige Marina ist die Haltestelle erreicht. Noch 15 Minuten bis zur avisierten Abfahrt. „Guckt mal! Da kommt ein Bus auf dem steht Zadar!“ rief es aus dem Pulg. Mit gefühlten 389 km/h passierte der Bus die Haltestelle. In ihm quetschten sich die Passagiere. Zu voll zum Anhalten oder einfach zu schnell? Man weiß es nicht. Aber es war ja auch noch nicht 14.45 Uhr und wie wir an Tag eins schon gelernt hatten: Es war noch alles drin. 14.45 Uhr dann der nächste Bus. Dieser sah auch mehr nach Linienbus aus. Die Füllmenge bewegte sich etwa auf dem Niveau des Vorgängers. Mit Lichthupe passierte er uns. Fragezeichen die Zweite. Was nun? Laufen? Zurück zum Hafen? Ein kleines Grüppchen entschied sich, so wie auch schon einige andere zuvor, nach Sukosan hineinzuspazieren. Ca. 2 Kilometer prophezeite Google Maps. Das war zu schaffen. Der Rest tummelte sich zurück zur Marina. Und während die Spazierer entspannte Stunden im kuscheligen Dörfchen mit engen und verwinkelten Gässchen verbrachten, hatte die Svarog in der Marina plötzlich unerwarteten Zugang: Dirk. Mit voller Hingabe widmete er sich seiner Baumhalteaufgabe. Lothar und Karsten hatten ihn auf ein Bierchen eingeladen. Und er war geblieben. Dirk- zunächst noch eingesperrt in einer der Wachskisten und ohne Aufgabe, erblickte endlich Sonnenlicht. Mit vereinten Kräften und akrobatischen Höchstleistungen wurde er von den beiden nach oben gezogen und befestigt. (Anm. der Redaktion: natürlich meinen wir „die“ Dirk, aber der Dirk kam einfach besser…)

Tag 3. Eskimo Ahoi

Endlich: blauer Himmel, ein leichtes Lüftchen. Nix wie weg. Motor an um 9.30 Uhr, Segel gehisst um 9.50 Uhr. Ziel: Das Bojenfeld bei Uvala Potkucina. Bei leichtem Westwind und sonnigen 17 Grad kommt endlich richtige Urlaubsstimmung auf. Südwärts gehts. Gegen 17.30 Uhr liegen wir ruhig an der Boje.

MiriBDSC_1573

Festmachen an der Boje. Und dann? Ab ins Wasser!

Platsch! Der erste schwimmt im kalten türkisfarbenen Nass. Die Dingifreunde starten die Motoren. Ein lustiges Hin- und Herkreuzen zwischen den Schiffen beginnt. Primärziel: die Morana mit dem Geburtstagskind Anette an Bord. Lothar und Christiane beschließen: was die anderen können, das können wir noch besser. Erst mal zeigen, was wir draufhaben. Wir können nicht nur Dingi, wir können auch Luftkissenboot. Aus sicherer Quelle haben wir erfahren, dass sich die Unterhaltung wohl in etwa so abgespielt hat: „Hömmä pass ma auf, wie bekommen wir das Ding jetzt möglichst professionell und entertainmentmäßig gedreht?“ „Hm, dürfte bei der kleinen Nussschale ja kein Problem sein.“ „Stimmt. Wir müssen eigentlich nur den Schwerpunkt verlagern.“ „Jo.“ „Dann guck ma: ich setz mich hinten auffe rechte Seite, wenn du getz auch noch zu mir hinten nach rechts kommst haben wir bestimmt die besten Chancen, das Ding am elegantesten zu kippen, was meinste?“ „Klingt logisch. So machen wir´s.“ Gesagt, getan. Und siehe da: Ganz großes Entertainment.  Nur die Idee, die Schraube als Propeller zu nutzen, schien nicht so zu funktionieren, wie ursprünglich geplant…

Bis tief in die Nacht werden Geburtstagkind Anette, der gelungene Tag und die eskimorollenmäßige Lothar-Christiansche Luftkissenbootumfuntionierung gefeiert.

Tag 4: Alles im blauen Bereich

Blauer Himmel- mäßiger Nordwestwind. Von Boje abgelegt um 10.15 Uhr. Unser nächstes Tagesziel: Sali auf Dugi Otok. Die Crew der Striborg verlor sich nach einigen spannenden Vorfahrtübungen mit der Svarog in einem kleinen kuscheligen Lokal an der Küste. Bereits gegen 16.00 Uhr nicht mehr voll fahrtauglich begann man feucht fröhlich den Abend so wie der späte Nachmittag geendet war.

Die übrigen drei Boote trafen sich recht zeitgleich gegen 19.00 Uhr am Hafen von Sali. Von Bord aus ließ sich gemütlich bei traumhaften Temperaturen das geschäftige Treiben in der gegenüberliegenden Kneipe beobachten. Die Smutjes stürmten mit ihren Helfern aus zum Lebensmittelladen. Größte Eroberung: ein 5 Liter Kanister Rotwein. Erst einmal ansetzen. Prost! Joa…. geht…. hol mal die Gläser.

MiriBDSC_1626

Feucht fröhlich gehts Abends weiter

Mangels Frischware (der Lebensmittelladen wurde offenbar täglich von der Fähre beliefert- der frühe Vogel fängt den Wurm, der letzte Segler leider nur noch TK-Gemüse) zauberte Smutje Achim eine Reis-TK-Gemüsekreation, andere entschieden sich gegen das Selberzaubern und für das Grillplattenmachenlassen. Loggbucheintrag der Svarog zu diesem Tag: komplett blauer Himmel ganztags- komplett blaue Mannschaft ab 21.53 Uhr.

Tag 5: Und der Himmel ist immer noch blau…

die Mannschaften wieder nüchtern. 10.30 Uhr, weiter geht´s zum Bojenfeld zwischen Ist und Molat. Der Wind nimmt zu, der blaue Himmel ab. Dafür macht das Segeln jetzt so richtig Spaß. Bis zu 8 Knoten sind zwischendurch drin. Das Seglerherz schlägt höher. Die Slava hat so viel Freude am Segeln, dass sie spontan ihr Ziel verlegen. Nächster Stopp: Silba. Die anderen drei Boote halten erst einmal am Ursprungsziel fest. Gegen 16.00 Uhr kommt man der Sache näher. Aber offenbar noch nicht nah genug, das avisierte Bojenfeld erkennen zu können. Blick auf die Karte- Blick in die Bucht. Blick in die Karte- Blick in die Bucht. Blick auf die Karte. Erstmal Segel rein, Motor an. Hier muss ermittelt werden. Striborg, Svarog und Morana Teil 1: Auf der Suche nach dem verlorenen Bojenfeld. Der kleine Hafen gegenüber hat keine ausreichende Wassertiefe zum Anlegen. Im Päckchen liegend wird beratschlagt. Sehr eindeutig fällt der Plan B aus: Auf nach Silba! Gegen 19.00 Uhr ist das Ziel erreicht. no Water, no Energy, no toiletts, no showers! Schallt es uns als erstes rau entgegen. Man kassiert ab und zieht von dannen. Im Gegensatz von der lauten Begrüßung, ist es auf den zweiten Blick ruhig und beschaulich. Na klar- kein hochfrequentiertes Waschhaus vorhanden, das das Inselhafenidyll belästigen könnte… Wir frequentieren unterdessen die Bord WCs. Gebeutelt von der Vorabendeinkaufssituation entscheidet sich die Segelgemeinde erneut für ein warmes Mal an Land. Die ganze Segelgemeinde? Nein! Ein von unbeugsamen Crewmitgliedern bevölkertes Boot hört nicht auf, der schwindenden Lebensmittelbevorratung Widerstand zu leisten. Auf der Svarog gibt´s Spaghetti mit TK- Garnelen. Lotahr und Miri klären auf: wenn beide vier Zehen Knofi essen, stinkt hinterher keiner von beiden.

Tag 6: Die Weisheit des Tages: Knoten muss man können können

Silba, 5:55 Uhr: strömender Regen, die Frisur liegt unter der Bettdecke.

Silba: 6:35 Uhr: strömender Regen, die Frisur sitzt noch immer unter der Bettdecke.

Silba: 8:45 Uhr: leichtes Tröpfeln von oben, die Frisur sitzt… nicht mehr.

Silba: 9:30 Uhr: blauer Himmel, die Frisur ist gerichtet.

Was zunächst so aussah wie ein Tag in Ölzeug mit ohne Wind,  entwickelte sich stündlich mehr und mehr zu einem tip top Segeltag. Der ein oder andere stromerte noch über die traumhafte und beschauliche Insel, nicht zuletzt, um im Supermarkt seine Vorräte aufzufüllen, ehe es dann gegen Mittag auf ging zu neuen Taten.

Foto 08.05.14 12 13 10

Frauen im Dekowahn

Spontan verabredeten sich Svarog und Morena in einer Bucht U Drobra zum Ankern. Um 15 Uhr genossen die Mannschaften strahlenden Sonnenschein an Deck und glasklares, türkisfarbenes Wasser unter sich. Der ein oder andere ließ sich erneut zu einem Sprung ins kühle Nass hinreißen und zog entspannt seine Bahnen, während die Dingis um die beiden Boote kreisten. Euphorisch übte die Morena schließlich ihr erstes Dingi-über-Bord Manöver, ehe es zurück auf Kurs Richtung Veli Rat ging. Neues Crewmitglied auf der Svarog: Fräulein Marie-Änn Käfer. Wie Robinson Cruso einst alleine auf seiner Insel ausarrte, so fristete auch sie ihr Dasein zwischen Bojen, Schuhen, Eimern und sonstigem Strandgut allein in der Bucht. Errettet durch Karstens helfende Hand nahm sie wenig später ihre neue Tätigkeit als Gallionsfigur der Svarog auf, bereit die Meere der Welt- oder na ja… zumindest Teile der Adria zu erobern.

DSC_3515

Marie-Änn Käfer fährt jetzt auch mit

 

Den Hafen erreicht, wurde sie von allen anderen Mitseglern freudig begrüßt und reichlich beschenkt. Ihre Taufe feierte man im großen Kreise noch bis tief in die Nacht.

Tag 7: Wer fährt? Der Boot

Zurück bis in den Heimathafen nach Sukosan sollten es doch noch gute 27 Meilen sein. Beim lauen Lüftchen und achterlichem Wind eine Herausforderung, der wir uns gerne stellten. Zum Schluss erreichten zwei Boote das Ziel ohne Motorunterstützung pünktlich um 17.00 Uhr zur Abnahme. Nicht ohne zwischendurch das traumhafte Wetter und die schönen Landschaften an den Seiten in vollen Zügen zu genießen.

MiriBDSC_1498

Zurück geht´s im Schmetterling

Für die letzten Minuten gönnte man sich vollkommene Entspannung. Wer fährt? Der Boot. Der Technikbegeisterte unter den Crewmitgliedern musste doch zumindest mal erforschen, was der Autopilot so alles drauf hat. Dem Tankstellenchaos knapp entkommen manövriete sich die Svarog gekonnt als erstes an ihren Liegeplatz, dicht gefolgt von der Slava und der Strieborg. Nur die Morena konnte sich noch nicht so recht trennen und kostete den letzten Tag beim erneuten Ankern in einer Bucht voll aus.

Zu Fuß ging es dann abends nach Sukosan zum gemeinsamen Abendessen. Trotz Vorreservierung eine echte Herausforderung für den Koch der kleinen Taverne. In kuscheliger Atmosphäre genoss der ein oder andere frischen Fisch und leckeres Fleisch, in jedem Fall aber das ein oder andere kroatische Bier. Ein gelungener Abschluss für einen noch mehr gelungenen Törn.

Tag 8

Zadar.

13.00 Uhr.

Die Sonne brennt.

Die Frisur sitzt.

Düsseldorf.

17.30 Uhr.

Strömender Regen.

Die Frisur sitzt.

Noch.

Aber egal, denn: es ist noch alles drin… haben wir gelernt. 😉

 

Ihr wollt auch mal segeln? Hier geht´s zum PSV-Unna

Ihr wollt vorher Fotos gucken? Dann hier lang

*