Bodyflying- einfach mal abheben

Bodyflying

Nein wie cool!!! Miri hatte Geburtstag. Und Andy hatte den Gutschein. Wir gehen zum Bodyflying. Für so einen Spaß waren wir doch immer zu haben! Voller Begeisterung googelte das Miri sich durchs Netz. „Da! So ein Foto will ich von uns beiden haben! Genau so eins!!!“ Auf der Seite von Indoor Skydiving Bottrop – Indoor Skydiving: quasi Neudeutsch für Bodyflying- flogen sie. Er braungebrannt, athletisch, dynamisch. Daneben sie. Blond, drahtig, wehendes langes Haar. Beide lässig. In Turnschuhen und Pulli, Daumen hoch (das Foto scheint es aktuell übrigens nicht mehr zu geben- sie hat sich offenbar getrennt und fliegt nun alleine…immer noch Daumen hoch.).

Andy nickte anerkennend. „So machen wir das!“

Und dann war er da: der Tag aller Tage. Skydiving Day. Zuvor hatten wir unsere Flugzeiten unter Eingabe der Gutscheinnummern online reserviert. Gespannt treten wir ein. Vor uns der Windkanal, neben uns die Rezeption. Munteres Treiben und Gewirr- man sprach Englisch. Mitten im Pott. Fließend. Besser als Deutsch.

Angaben zur körperlichen Verfassung müssen gemacht, Hinweise gelesen und mit Unterschrift bestätigt werden. „Man, das ist ja fast wie wenn du gleich operiert wirst. Nur dass se hier alle rot statt Klinikgrün rumlaufen…“ Spannung macht sich breit. „Ihr seid da hinten in der Gruppe. Wir rufen euch auf zum Briefing wenn es soweit ist.“ Neugierig laufen wir umher. „Da, schau: das mit dem coolen Poserfoto wird wohl nix. Ohne Helm und Anzug kommst da nicht rein. Und zu zweit auch nicht.“

Unverschämtheit! Geweckte Erwartungen zerplatzen wie eine regenbogenfarbene Seifenblase aus dem Munde von Alice im Wunderland. Hutmacher und weißes Kaninchen suchten das Weite.

Zurück blieben Andy, Miri, Schwester und Cousin im Ameisenbau. Von hinten passierte uns ein Mitarbeiter mit einem Stapel Anzüge, vorne machten Wartende die ersten Fotoposen, Mütter und Freunde fleetzten sich in der Sofaecke und beobachteten das bunte Treiben.

Dann ist es endlich soweit. Wir werden aufgerufen. Es geht los! Zunächst in den Briefing-Room. „Does everybody speak english?“ „Nein“ tönte es aus einer Ecke. „Okay, whierr whärden schaffen daas auch sso. Suährst ick whärde seigen you ein Film in German. You know? If there are any questions, whir whärden lösen.“ Kurz wurden die Sicherheitshinweise gegeben und Basics erklärt. Wie komme ich rein, wie wieder raus, wie soll ich „liegen“, was heißt Beine anwinkeln, was strecken, was Kopf nach oben, was nach unten, was Arme auseinander, was zusammen. Danach wird die Fliegerpose auf einem Tisch geübt. Passt. Läuft. Es kann losgehen. Die Anzüge und Helme werden verteilt, ehe es geschlossen in den Windkanalbereich geht.

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Erst mal heißt es Warten, bis man an der Reihe ist

Andy macht den Anfang, dann Miri. Die ersten zwei Minuten heißt es erst einmal: Ruhe bewahren. Wir lernen, gerade in der Luft zu schweben. Plötzlich ein Schrei. Miri hatte- nach Anweisung des Coaches den Kopf nach unten genommen. Raketenartig schoss sie nach oben und klebte gefühlt an der Decke. Im Kanal kann man nicht sprechen. Zu laut. Ihre Blicke suchten die des Coaches. Der war entspannt. deutete an, sie solle den Kopf in den Nacken nehmen. „Hä???“ „Was willer von mir???“ „Ohhhhh“ Da warer, der Aha-Effekt. Es ging wieder abwärts. Wäre ganz schön gewesen, wenn man solche Infos vielleicht auch mal in dem Filmchen gesehen hätte, denn nun waren die zwei Minuten auch schon um. Zack und raus  mit dir. Next please.

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Langsam findet man heraus, wie der Hase so läuft… ähm der Vogel so fliegt.

Yvi und Carsten folgten, ihnen schließlich der Rest. Nächste Runde: „Je nachdem was man mit dem Körper macht, so bewegt man sich auch in der Luft“ hatte Yvi verheißungsvoll festgestellt. Welche Bewegung nun welche flugtechnische Konsequenz hatte, darüber fachsimpelten wir die nächsten fünf Minuten. „Guck mal, wenn er so macht, dann heißt das, du muss den Kopf und die Schulter zur Seite drehen, dann müsstest du im Kreis fliegen…“ Auch hier stellte sich uns wieder die Frage: warum hatte man uns solche Infos nicht gegeben, als wir noch mit dem Coach sprechen konnten? Also im Briefing? Man weiß es nicht…. also nein, man wusste es noch nicht zu diesem Zeitpunkt. Unsere nächsten zwei Minuten brachen an. Yvi entpuppte sich als wahres Naturtalent, aber auch wir anderen schlugen uns gut.

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Auch Andy macht einen schlanken Fuß

„Der hat nen ganz anderen Helm auf, der Coach!“ echauffierte sich ein Guppenmitteilnehmer „Wenn ich auch so einen Profihelm aufgehabt hätte, hätte das alles bei mir auch besser geklappt.“ Wir wollten ihm seine Illusion lassen. Jedem sein eigenes Wunderland.

Am Ausgang erhielten wir dann unsere Urkunden. Es begann zu dämmern. „Ich kreuze jetzt an, was ihr heute alles gelernt habt: also du kannst jetzt hoch- und runterfliegen, rechtsrum und linksrum. Kannst du auch vor und zurück? Ja ok. Also jetzt musst du nur noch das und das lernen,“ er deutete auf zwei offne Punkte auf der Urkunde „dann verlässt du den Anfängermodus und dann musst du noch soundso oft fliegen und dann kommst du in den Proflyer-Modus, dann kannst du ohne Trainer rein, dann wird das Ganze günstiger für dich.“ Ahhhhhhhh.

Da warer. Aha-Effekt der zweite. Erklärt man anfangs natürlich alles etwas genauer, lernt man durchaus ja auch etwas schneller. Die erste Runde brauchten wir ja überhaupt erst einmal um das volle Repertoire aller Handzeichen richtig zu deuten, die unser Trainer so drauf hatte…. Geschäftstüchtig war man also auf jeden Fall unterwegs. Aber mal ehrlich: wer hätte denn etwas anderes erwartet.

Fazit:

Bodyflying- der Hammer! Wenn du einmal ein Gefühl dafür bekommen hat, wie du dich im Windkanal eigenständig bewegen kannst, bist du angefixt. Du fühlst dich wie der Pilot in deinem eigenen Körperflugzeug, schwerelos und wie ein Vogel im Wind. Als wir vor ein paar Wochen an der See waren, haben wir fasziniert die Möwen beobachtet, wie sie sich vom Wind haben tragen lassen, ehe sie dann blitzschnell abgedreht oder ins Meer geschossen sind, um ihre Beute zu fangen. Seit diesem Event wissen wir, wie sich das anfühlt. Wir würden supergerne wiederkommen. Einziger Wermutstropfen: der doch schon extrem hohe Preis.

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Nochmalnochmalnochmal!!! 🙂