Durch den Negev Richtung Süden- wir schicken dich in die Wüste

Wir wollten von Israel aus für ein paar Tage nach Jordanien- das hatten wir uns vorgenommen. Da aber der Grenzübergang bei eventuellen Unruhen offenbar auch ganz gerne mal spontan geschlossen wird, wollten wir unser Grenzhopping nicht erst am Ende unserer Tour machen und damit riskieren, bei einer eventuellen temporären Grenzschließung womöglich noch unseren Rückflug zu verpassen. Daher stand fest: Wir müssen dieses Vorhaben zeitlich an den Anfang unseres Roadtrips legen.

Samstag, 24.01.2015, Tag 1 unserer Reise: Gerade in Tel Aviv gelandet heißt es für uns also: ab in den Süden. Einen Zwischenstopp aber wollten wir auf jeden Fall noch einlegen, und zwar in der

Wüste Negev

Kurz hinter Be´er Sheva, der „Hauptstadt des Negev“ verwandeln sich grüne, europäisch anmutende Landschaften langsam in gelb-rot-braune Wüsteneinöde. Die Route 40 beginnt sich durch Schluchten und Täler vorbei an Felsformationen und ausgetrockneten Flussbetten ihren Weg zu suchen. Rund 62% der israelischen Landfläche nimmt der Negev ein. Ein zuverlässiger Begleiter also, egal wo du dich im Süden aufhältst. Doch die vermeidliche Einöde täuscht. Hier und da findest du immer irgendwo doch noch ein Wasserloch, im Negev-Hochland kannst du sogar einer Weinstraße folgen. Schon vor 2000 Jahren erfanden die Nabatäer hier quasi die Wüstenbewässerung. Unser erstes Ziel war zunächst die- so versprach es der Reiseführer- unwirklich anmutende Kraterwildnis vom

Makhtesh Ramon

Den „israelische Grand Canyon“ wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Mit seinen 300 Metern Höhe, 8 Kilometern Breite und 40 Kilometern Länge versprach er einen sensationellen Blick über die Wüstenlandschaft des Negevs. Den besten Ausgangs- und auch Aussichtspunkt zur Erkundung des Makhteshs findest du im kleinen Örtchen Mitzpe Ramon.

Wie viel Zeit soll ich hier einplanen?

Das kommt darauf an, was du hier vor hast. Auch hier bieten sich dir wieder zahlreiche Wanderrouten und Jeeptouren an. Die Landschaft ist öde aber faszinierend.

Unser Tipp:

Plane hier nur einen 1-2 Stündigen Zwischenstopp ein oder eine Übernachtung bei der du die Chance hast, Sonnenuntergang- und Aufgang zu genießen. Für Wanderungen empfehlen wir eher den Timna- Nationalpark, die Wanderwege in En Gedi oder einen der zahlreichen Naturparks im Norden.

Wir selbst sind gegen 16.00 Uhr am Aussichtspunkt angekommen, haben den wunderschönen Sonnenuntergang beobachtet und uns dann eine Schlafmöglichkeit gesucht. Am nächsten Morgen kehrten wir noch einmal zurück, deckten uns im nahegelegenen Supermarkt mit frischem Brot und Hummus ein und frühstückten dekadent und ungestört am Rande des Kraters, sogen die frische Luft ein und genossen die unfassbare Weite des Landes die zu unseren Füßen zu liegen schien.

Luxus muss nicht immer teuer sein.

Sonnenuntergang am Aussichtspunkt von Mitzpe Ramon. Zur Nebensaison ein traumhaftes Erlebnis!

Sonnenuntergang am Aussichtspunkt von Mitzpe Ramon. Zur Nebensaison ein traumhaftes Erlebnis!

Beim Frühstück am Rande des Canyons einfach mal die Seele baumeln lassen- und die Füße auch...

Beim Frühstück am Rande des Canyons einfach mal die Seele baumeln lassen- und die Füße auch…

In Serpentinen schlängelt sich die Route 40 hinter Mitzpe Ramon den Krater hinab.

In Serpentinen schlängelt sich die Route 40 hinter Mitzpe Ramon den Krater hinab.

Leider nicht echt... den Weg durch die Wüste versüßt man dir mit vielen lebensgroßen Skulpturen von diversen Wüstenbewohnern wie Dromedaren, Ziegen und eben auch Geiern am Straßenrand

Leider nicht echt… den Weg durch die Wüste versüßt man dir mit vielen lebensgroßen Skulpturen von diversen Wüstenbewohnern wie Dromedaren, Ziegen und eben auch Geiern am Straßenrand

Wo kann ich schlafen?

Konventionell

Mitzpe Ramon ist grundsätzlich erst einmal eine gute Wahl. Direkt gegenüber des Makhtesh- Besucherzentrums gibt es eine Jugendherberge, die aber als wir dort waren wohl geschlossen hatte. Wenn Geld keine Rolle spielt, nächtigst du im luxuriösen Beresheet für rund 380 USD und genießt den Blick über die Kraterlandschaft vom Infinity Pool aus. Mittelpreisige Unterkünfte gibt es lt. unserem Reiseführer in Hülle und Fülle- vom B&B über Hostel bis hin zum Boutiquehotel.

Wir entschieden uns für einen Beduinenzeltplatz mitten im Makhtesh, dem Be´erot Campingplatz. Da wir unser Zelt ja nicht mit an Bord hatten, schliefen wir im riesengroßen Beduinenzelt auf zwei Matratzen. Der Heizlüfter über uns gab alles, um die Kälte der Wüstennacht von uns fern zu halten- es gelang ihm mäßig.

Die Eckdaten

Die Kosten beliefen sich auf 150 NIS für die beiden Matratzen inkl. Nutzung der sanitären Anlagen.  (Alternativ: Doppelzimmer für 350 NIS) Die Wasch- und Duschräume waren sehr sauber und gepflegt, leider gab es ausschließlich kaltes- bzw. alternativ eiskaltes Wasser, was die morgendliche Säuberung zur Herausforderung machte, aber anschließend für ein wahnsinnig tolles Körpergefühl sorgte, was auch tatsächlich den ganzen Tag lang anhielt. 😉 Grill- und Kochmöglichkeiten sowie schöne überdachte Sitzplätze machen den Campingplatz insgesamt zu einem Ort, an dem man sich wohlfühlen kann. Und das alles noch rd. 5 Kilometer abgeschieden mitten in der Wüste.

Mit dem Zelt

So wie es aussah: überall. Es dürfte hier niemanden stören, insofern du deine Heringe in den harten Wüstenboden geschlagen bekommst. Offiziell kannst du auf dem o.g. Campingplatz dein Zelt für 50 NIS aufstellen und auch die Sanitärräume mitbenutzen. Denk an einen warmen Schlafsack, denn im Negev wird es nachts empfindlich kalt, im Winter kann es sogar schneien.

5 Kilometer mitten im Makhtesh liegt diese Beduinenzeltplatz - eine Oase der Ruhe.

5 Kilometer mitten im Makhtesh liegt diese Beduinenzeltplatz – eine Oase der Ruhe.

Verpflegung

In Mitzpe Ramon Nähe des Aussichtspunktes bekommst du eigentlich alles was dein Herz begehrt. Hier gibt es eine Vielzahl an Ständen und Büdchen, die zu humanen Preisen warme Mahlzeiten wie Hummus und Falafel anbieten, und eben auch einen kleinen Supermarkt, der dein Nahrungsbedürfnis in jedem Fall befriedigen dürfte.

Klima

Wir hatten tagsüber absolutes T-Shirt-Wetter, sobald die Sonne weg war, wurde es aber extrem kühl. Anfang Januar hatte es hier nach Aussagen der Bewohner noch kräftig geschneit.

Eine offizielle Klimatabelle konnten wir online nicht finden, die Klimazone ist -trotz der nächtlichen Temperaturunterschiede- aber die gleiche wie in Eilat, daher schau hier gleich mal weiter unten.

Eilat und Umgebung

Sonntag, 25.01.2015, Tag 2. nach einem Freiluft Frühstück mit über dem Canyon baumelnden Füßen ging es für uns also weiter auf der Route 40 Richtung Süden. Richtung Eilat, um genau zu sein.

Eilat

Vom kältesten Punkt Israels nun also in 2 Stunden zum wärmsten Ort des Landes. Dank seines milden Winterklimas und der Lage direkt am Roten Meer ist Eilat ein auch unter Israelis beliebter Urlaubsort. Um ehrlich zu sein: mehr als Hotels, bunte Fressmeilen, ein Einkaufszentrum und eine recht trostlose verindustrialisierte Küste hat diese Stadt aber eigentlich nicht wirklich zu bieten.

Schön ist anders…

…schön ist, was man hier in der Umgebung alles machen kann:

Grenzhopping

Rüber nach Jordanien um Petra und Wadi Rum zu sehen? Nichts wie los! Detaillierte Infos findest du hier.

Wandern

Wenn du im Negev wandern willst, bekommst du in der Field School, an der Hauptstraße etwas außerhalb südlich des Zentrums ausreichend Karten- und Informationsmaterial.

Kamelsafaris

Hierfür wurde uns die Eilat-Kamelfarm ans Herz gelegt. Wir haben selbst nun zwar doch keine Kameltour unternommen, die Tiere sollen hier aber wirklich gut behandelt und gepflegt werden. Infos gibt es online hier.

Schnorcheln

Wer Lust auf schöne Korallenriffe hat, wird an Eilats Küste weiter südlich Richtung Ägyptischer Grenze fündig (noch eine Ecke südlicher als die Field School an der Route 90). Einfach eine günstige Schnorchelausrüstung im nächsten Supermarkt kaufen und los geht der Spaß. Wir selbst waren nicht dort, schnorcheln soll hier aber ein unvergessliches Erlebnis sein. – Rotes Meer halt. Dennoch: an Ägypten soll es nicht heranreichen können.

Delphinschwimmen

Ein Punkt auf Miris Bucket List. Done.

Im Dolphin Reef in Eilat kannst du relaxen, baden und: mit Delfinen schnorcheln oder tauchen. Das ganze Areal ist sehr schön angelegt. Über einen schwimmenden Steg kannst du den Tümmlern auch einfach nur beim Schwimmen zuschauen. Das Anfassen der Tiere ist streng verboten- auch wenn du mit ihnen schnorchelst oder tauchst. Hier wird kein Delfin zu irgendetwas gezwungen, jeder Kontakt zwischen Mensch und Tier soll auf freiwilliger Basis zustandekommen. Das ist der Grundgedanke. Einige der Delfine kommen ursprünglich aus dem Schwarzen Meer, wo sie von den Russen als Kampf-Delfine eingesetzt wurden (unglaublich, was es alles gibt). Anfang der 90er Jahre eröffnete das Dolphin Reef- damals noch als offene Anlage, in der die Delfine je nach Belieben rein und raus schwimmen konnten. Da sie jedoch keine natürliche Scheu vor Menschen hatten, endete der ein oder andere Besuch in freien Gewässern für so manchen Flipper tödlich, weshalb man sich dann wohl entschied, aus dem offenen Gehege ein geschlossenes zu machen.

Im Dolphin Reef kannst du mit Delfinen tauchen...

Im Dolphin Reef kannst du mit Delfinen tauchen…

... oder schnorcheln...

… oder schnorcheln…

... oder einfach nur Zugucken und dich freuen..

… oder einfach nur Zugucken und dich freuen..

Den Definen hier scheint es jedenfalls gut zu gehen.

Den Definen hier scheint es jedenfalls gut zu gehen.

Kosten

Schnorcheln: 290 NIS inkl. Eintritt

Tauchen: 339 NIS inkl. Eintritt

Nur Eintritt: 67 NIS

Lohnt sich der Spaß?

Puh, schwer zu beantworten. Mit großen Erwartungen traten wir an, zufrieden, aber nicht geflasht kamen wir wieder heraus aus dem Wasser. Beeindruckend ist es sicherlich, wenn so ein Tier neugierig nickend auf dich zugeschwommen kommt, um dann kurz vorher doch wieder abzudrehen und in den Tiefen der künstlichen Bucht zu verschwinden. Du möchtest deine Hand ausstrecken, um es zu berühren, aber halt! Das darfst du ja nicht! Du möchtest ihm hinterherschwimmen, aber halt! Auch das darfst du nicht! Geschwommen wird nur in Begleitung der Pfleger und auch nur dahin, wo dich der Pfleger lässt.

Unser Fazit

Den Delfinen hier scheint es gut zu gehen und für sie ist es sicherlich auch die richtige Entscheidung, sie nicht von Fremden anfassen und bedrängen zu lassen. Das heißt aber auch, dass du ihnen unter Wasser auch nicht viel näher kommen wirst, als vom Steg aus.

Also: bezahl den Eintritt und mach dir hier einen schönen Tag! Beobachte die Flippers vom Steg oder vom mehrstöckigen Bambushaus aus, denn das Wasser ist so klar, dass du sie problemlos überall umher schwimmen sehen kannst. Alle zwei Stunden bietet ein Pfleger ihnen etwas zu essen an und spielt ein wenig mit ihnen- wenn sie Lust dazu haben. Das alles aus nächster Nähe zu sehen, wie sie zwischendurch springen, durch die türkisfarbene Lagune flitzen und ihre Köpfe aus dem Wasser stecken, war tatsächlich noch schöner, als unter Wasser zwei Meter an ihnen vorbei zu schwimmen.

Timna-Park

Unser Negev-Highlight!

Der Timna-Park ca. 20 km nördlich von Eilat direkt an der Route 90 ist ideal, wenn du Wandern und Geschichte miteinander verbinden möchtest. Komplett durchwandern wirst du den Park nicht können. Zu groß. Alles ist so ausgelegt, dass du mit dem Auto zum Ausgangspunkt deiner Wahl fährst und von dort aus startest. Dieses Gebiet hatte ursprünglich zum alten Ägypten gehört und ist durchzogen von alten Kupferminen. Urige Gesteinformationen regen deine Fantasie an. Wenn du keine rechte Lust auf Wandern hast, kannst du fast alle sehenswerten Formationen und Felsmalereien auch mit dem Auto ansteuern. Dann solltest du ungefähr zwei Stunden für deinen Aufenthalt einplanen. Wenn du wandern willst, gerne einen halben bis ganzen Tag.

Hier kannst du mühelos einen ganzen Tag verbringen- genug zu sehen gibt es allemal.

Hier kannst du mühelos einen ganzen Tag verbringen- genug zu sehen gibt es allemal.

Eine der bekanntesten Felsformationen ist der "Mushroom"

Eine der bekanntesten Felsformationen ist der „Mushroom“

Beeindruckend: Solomons Pillar

Beeindruckend: Solomons Pillar

Nix los in der Nebensaison: Nach der Wander- und Klettertour lädt die künstliche Oase zum Picknicken und Verweilen ein.

Nix los in der Nebensaison: Nach der Wander- und Klettertour lädt die künstliche Oase zum Picknicken und Verweilen ein.

Kosten

49 NIS p.P. inkl. Präsentation und Sand-in-Flaschen-Füllen am künstlich angelegten Erholungssee.

Wo kann ich schlafen?

Konventionell

Überall. Eilat ist eine Touristenhochburg und im Zentrum reiht sich ein Hotel an das nächste. Uns wurde auch hier die Field School zum Übernachten empfohlen. Wir selbst nutzten aber unsere Couchsurfing-Bekanntschaft für zwei Nächte.

Zelten

Auch in der Field School möglich für 50 NIS pro Zelt inkl. Nutzung der Sanitäranlagen und des Geländes mit Küche und Grillplätzen. Im Timna- Park gibt es irgendwo neben der Oase ebenfalls einen Campingplatz. Schön, wenn man die nächtliche Atmosphäre genießen möchte. Die Felsskulpturen werden zudem offenbar nachts angestrahlt- das muss sensationell aussehen!

Verpflegung

Auch das sollte in Eilat kein Problem darstellen. Supermärkte, Cafés, Restaurants… Im Zentrum findest du alles, was dein Herz begehrt.

Geldautomaten

Auch hier wirst du zuhauf im Zentrum fündig.

Klima

Wie gesagt: der wärmste Ort in Israel. Im Timna-Park angekommen, warfen wir erst einmal unsere langen Klamotten von uns. Als wir in der künstlichen Oase pausierten, suchten wir uns einen überdachten Picknickplatz, weil die Sonne so brannte. Sonnencreme nicht vergessen!

Klimatabelle von klima.org - uns kam es deutlich wärmer vor...

Klimatabelle von klima.org – uns kam es deutlich wärmer vor…

So, das war es mal wieder von uns- heute aus dem Negev. Freu dich schon auf unseren nächsten Israelartikel! Unsere bisherigen Beiträge zum Thema Israel findest du hier.

Wenn dir unsere Seite und unsere Artikel gefallen, schenk uns dein Like und dein Feedback in den Kommentaren. Auch für Ergänzungen sind wir immer dankbar! Wir freuen uns auf dich!


Screenshot 2015-01-20 21.26.32